Die Frage aller Fragen: Sind meine Hühner gesund?

Es ist eigentlich selbstverständlich: Nur gesunde Hühner können Freude machen und volle Leistung bringen. Überdies sind viele Gefiederte heute auch noch Haustiere, geflügelte Freunde vor allem für Kinder, und der Kummer ist entsprechend groß, wenn eins krank wird. Die gute Nachricht: Viele der Gesundheitsprobleme, die Hühner plagen können, lassen sich schnell und mit relativ geringem Aufwand beheben – vorausgesetzt, sie werden früh erkannt und der richtige Tierarzt hilft.

Genau da haben private Halter leider ein dickes Problem: Eine bizarre Gesetzgebung erlaubt nicht mehr jedem Tierarzt, das „Nutztier“ Huhn zu behandeln. Man sollte sich also unbedingt früh umhören, wo es im Ernstfall Hilfe gibt. Die gesetzlich vorgeschriebenen Impfungen und die regelmäßige Wurmkur sind ohnehin ohne Tierarzt nicht zu bekommen. Zusätzlicher Bonus: Fachkundige Tierärzte  können Tipps geben, mit denen sich viele Probleme schon im Vorfeld abfangen lassen. Der wichtigste von allen: Beobachten Sie Ihre Tiere ständig und genau! Wer seine Hühner kennt, sieht sofort, wenn irgendetwas nicht stimmt und kann rechtzeitig eingreifen.

Alarmzeichen Nr. 1 sind Verhaltensänderungen: Wird ein Huhn plötzlich auffallend ruhig, mag nicht mehr richtig fressen, sitzt gar aufgeplustert abseits der anderen oder lässt die Flügel hängen,  stimmt etwas absolut nicht. Zeit zum Einfangen, Isolieren und dem großen Check vom Kamm abwärts:

Hat das Tier äußere Verletzungen? Brüche? Ausgerissene Federn? Speichel im Gefieder? Das kann auf Kämpfe untereinander oder den Angriff eines Fressfeindes von Hund bis Habicht hindeuten und ist in schweren Fällen ein Fall für den Tierarzt. Bei Hühnern heilen, fachkundige Versorgung vorausgesetzt, selbst sehr schlimm aussehende Verletzungen fast immer gut aus, der Aufwand lohnt sich also.

Wie sieht der Kamm aus? Ist er gelblich, bläulich oder blaß, ist das ein generelles Anzeichen dafür, dass das Tier kränkelt.  Ebenso wichtig sind die Augen, beim normalen Huhn blank und lebhaft. Sind sie trüb, tränen sie, oder sind die Lider geschwollen, zeigt auch das, dass der Vogel krank ist.

Atmet das Huhn normal, also unhörbar, oder hört man ein deutliches, oft röchelndes Nebengeräusch? Niest es? Hat es Schleim an den Nasenlöchern, an den Augen oder am Schnabel? Auch das ist ein Fall für den Tierarzt. Schon ein normaler Hühnerschnupfen ist nicht harmlos, und hinter diesen Symptomen kann sich sogar noch viel Ernsteres verbergen. Auch hier wieder gute Nachrichten: fast alles lässt sich mit den richtigen Medikamenten schnell heilen, bevor das kranke Tier den ganzen Bestand ansteckt.

Hat das Huhn verklebtes Kloakengefieder, also Durchfall? Vielleicht sogar blutigen oder grünlichen? Das können sowohl Hinweise auf eine Krankheit als auch auf Parasiten wie Würmer oder Kokzidien sein. Auch hier wieder: Ein schneller Gang zum Tierarzt, möglichst mit einer Kotprobe, kann Probleme beheben, bevor sie im Bestand um sich greifen. Regelmäßige Wurmkuren sollten ohnehin zum Standard gehören.

Wie fühlt sich der Kropf an, diese eingebaute „Einkaufstasche“ am Hals des Huhns? Ist er abends normal gefüllt, also voll, aber nicht zu fest? Oder ist er  knallhart und stramm, also wahrscheinlich verstopft? Oder auffallend weich und schwabbelig, was auf eine Entzündung hindeutet? Stinkt der Atem des Tieres, reckt es den Hals und schluckt schwer? Ist sein Kot wenig, flüssig und grünlich, was auf Hunger hindeutet und damit zeigt, dass der Kropf nicht arbeitet? Nichts für do it yourself, also ab zum  Tierarzt.

Was ist mit dem Bauch? Ist er beim Abtasten hart, gespannt und aufgetrieben? Sitzt die Henne aufrecht wie ein Pinguin und versucht zu pressen, bis sie  erschöpft in der Ecke hockt? Dann steckt wahrscheinlich ein Ei fest, und diese Legenot ist dramatisch: der Vogel hat schwere Schmerzen und ist in Lebensgefahr. Auch hier: keine Experimente, ab in die nächste Praxis.

Wichtig, ganz besonders jetzt im Sommer: Wie sieht die Haut aus,  vor allem unter den Flügeln und rund um die Kloake? Krabbeln da winzige, oft durchsichtige Tierchen? Wirkt die Haut zerbissen und gereizt? Sind schwarze Pünktchen zu sehen? Winzige Eierpakete an den Federschäften? Das sind dann Parasiten, von den eher harmlosen Federlingen bis hin zu den ernsthaft gefährlichen Milben.

Eine von ihnen, die Kalkbeinmilbe, sitzt an den Beinen und kann die Vögel bei starkem Befall sehr quälen. Man erkennt sie an weißlichen, tatsächlich kalkig aussehenden  Krusten und abstehenden Hautschuppen. Hier gibt es ein wirksames Hausmittel: Ballistol, ein Kriechöl, das eigentlich der Waffenpflege dient. Regelmäßig auf die Beine gesprüht, dringt es unter die Schuppen, tötet die Parasiten, löst die Krusten ab und verhilft den geplagten Hühnern bald wieder zum beschwerdefreien Laufen.

 

Sommerplage Nr. 1: die Rote Vogelmilbe

Wenn Hühner ohne offensichtliche Ursache in der Leistung nachlassen und immer blasser werden, empfiehlt es sich dringend, den Ungeziefer-Check im Dunkeln zu wiederholen und dabei auch gleich Ecken und Ritzen in Stall und Legenest zu kontrollieren. Dabei könnte es eine böse Überraschung geben: ein Treffen mit dem gefährlichsten Feind  allen Hausgeflügels. Das ist  nicht etwa der Marder, sondern der Rote Vogelmilbe. Diese millimeterkleinen Vampire leben ursprünglich in Vogelnestern, kommen nur nachts aus ihren Verstecken und können die Hühner dann buchstäblich aussaugen, bis hin zu Todesfällen. Im Sommer vermehren sie sich explosionsartig: Vom Ei bis zur fertigen Milbe dauert es nur eine Woche, und ein Massenbefall gehört zum Übelsten, was Huhn und Halter passieren kann.

Um diese Jahreszeit ist also höchste Wachsamkeit geboten, ständige Kontrollen besonders beim abendlichen Schlafengehen: Kratzen sich die Hühner viel? Sind sie abends nervös, meiden plötzlich bestimmte Schlafplätze, vielleicht sogar den ganzen Stall? Werden Kämme und Gesichter blaß? Für sofortige schnelle Hilfe gibt es beim Tierarzt Insektizide für Huhn und Umgebung, aber die Milben werden gegen Pestizide schnell immun. Langfristig hilft da nur Stallhygiene: Möglichst glatte Oberflächen, vor allem beim Legenest, möglichst wenig Ritzen und Winkel im Stall, dazu regelmäßige Reinigung und Kontrolle. Nach jeder Reinigung – und das ist wirklich wichtig - sollte man den Stall, die Einrichtung und möglichst auch die Hühner dünn mit Kieselgur einpudern. Dieser fein gemahlene Staub aus fossilen Kieselalgen ist eine Wunderwaffe gegen alle lästigen Milben, vollkommen ungiftig und ungefährlich, aber hoch wirksam. Der scharfkantige Staub schmirgelt die Milben buchstäblich zu Tode, verstopft ihre Atemwege und trocknet sie aus. Immun werden können sie dagegen nie. Egal, ob als Staub aufgepudert oder flüssig gesprüht:  Die Schicht muss sehr dünn sein, um wirken zu können, sonst krabbeln die Milben einfach darüber. Richtig und vor allem regelmäßig angewendet hilft Kieselgur zuverlässig, die gefährlichen Schädlinge zumindest wirksam in Schach zu halten.

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